St. Antoniushaus, Kiel
Das St. Antoniushaus, ein katholisches Gemeinde- und Sozialzentrum in Kiel-Elmschenhagen aus den frühen 1970er Jahren, zählt zu den ersten Projekten von BSP Architekten. Die Anlage folgt einem klaren, funktionalen Konzept mit einfachen und kostengünstigen Konstruktionen und ist wie ein kleines Dorf organisiert: Mehrere Häuser, eine Kapelle und ein zentrales Haupthaus gruppieren sich um einen überdachten Innenhof, der als geschützter Spiel- und Begegnungsraum dient.
Der südliche Gebäudekomplex bildet das Kinderhaus mit fünf zweigeschossigen Häusern, während nordwestlich die ehemalige Kindertagesstätte angeschlossen ist. Diese wird heute nicht mehr genutzt, da bereits ein Ersatzneubau im südlichen Bereich entstanden ist. Die gewachsene Struktur des Ensembles spiegelt bis heute die ursprüngliche Idee eines überschaubaren, gemeinschaftlichen Wohnumfeldes wider, in dem sich die einzelnen Baukörper maßstäblich in ein zusammenhängendes Ganzes einfügen.
Im Zuge veränderter Anforderungen an die Betreuungssituation wurde eine grundlegende Neuordnung notwendig. Die bislang überwiegend doppelt belegten Zimmer im Kinderhaus entsprechen nicht mehr den heutigen Standards, sodass der Fördergeber eine Unterbringung in Einzelzimmern fordert. Da die bestehenden Häuser in ihrer Kubatur nicht erweitert werden können, wurde die ehemalige Kita zurückgebaut und durch ein neues, barrierefreies und inklusives Gruppenhaus ersetzt. Parallel dazu wurden innerhalb des Bestandsgebäudes Flächen neu organisiert – durch die gezielte Umverteilung von Geschossen entstand gewissermaßen ein „Tetris“ im Bestand, um zusätzliche Raumkapazitäten zu schaffen.
Der Neubau nimmt eine prominente Position am Haupteingang ein und vermittelt zwischen Vorfahrt und Innenhof. Seine Fassadengestaltung greift die kleinteilige Struktur der Bestandsgebäude auf, interpretiert diese jedoch in einer langlebigen, hochwertigen Materialität neu. Eine Verblendsteinfassade mit charakteristischer horizontaler Bänderung verbindet beide Geschosse und knüpft in Farbigkeit und Gliederung an den Bestand an. Gleichzeitig sorgen eine geschützte Loggia im Erdgeschoss sowie die Anbindung an den tieferliegenden Spielbereich über einen Aufzug für eine hohe Aufenthaltsqualität trotz der exponierten Lage.
Im Inneren prägen robuste Materialien und eine funktionale Ausstattung die Räume, die durch ein differenziertes Farbkonzept eine wohnliche Atmosphäre erhalten. Linoleumböden und gezielt eingesetzte Wandfarben strukturieren die Bereiche und schaffen Orientierung. Eine prägnante Fluchttreppe an der Nordfassade wird gestalterisch integriert und durch eine hausförmige Sichtschutzwand mit dem Zeichen des Sozialdienst katholischer Frauen ergänzt – als Symbol für das gemeinschaftliche Wohnen unter einem Dach.
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Bauherr:Sozialdienst katholischer Frauen e.V
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Projektadresse:Rüsterstraße 30, 24146 Kiel
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Wohn-/ Nutzfläche:1.321 m²
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Planungsbeginn:2019
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Fertigstellung:2027
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Baukosten:3 Mio Euro (KG 300 + 400)
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Leistungsphasen:1-9
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Bildnachweis:Hannes Heitmüller, BSP Architekten
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Tragwerksplanung:Struktur + Festigkeit Ingenieurgesellschaft mbH