Schwentinemündung, Kiel

Schwentinemündung, Kiel

Bauherr Landeshauptstadt Kiel
Projektadresse 5 Teilgebiete im Bereich der Schwentinemündung
Wohn- / Nutzfläche 48.000 m2
Planungsbeginn  
Fertigstellung  2010
Baukosten  
Leistungsphasen  

Die Schwentinemündung ist über mehr als 200 Jahre in großen Teilen industriell und gewerblich geprägt worden. Die einst sehr dichte Uferbebauung östlich der alten Schwentinebrücke hat durch die erheblichen Verluste an ortbildprägender Substanz seit dem Krieg zwar viel von ihrer Kraft eingebüßt, der starke Kontrast zum Naturraum westlich der Brücke ist aber immer noch erlebbar. Die Schwentinebrücke trennt zwei vollkommen unterschiedliche Räume und markiert damit eine starke städtebauliche Zäsur. Den „Stadtraum Schwentine“ wiederherzustellen und damit die Dualität von Stadtraum und Landschaftsraum wieder herauszuarbeiten, ist das eine zentrale Thema unserer Arbeit.

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Zwei Bereiche werden besonders baulich betont: An der Engstelle am Fähranleger Dietrichsdorf (Teilgebiet 1) soll zukünftig der Baukörper der neuen Mensa nicht nur eine bauliche Visitenkarte der Fachhochschule ans Wasser bringen, sondern gleichzeitig den fördeseitigen Eingang in den Stadtraum Schwentine markieren. Die Mensa erhält aufgrund ihrer großen städtebaulichen Bedeutung als einziger Baukörper eine Sonderform, die ihre herausgehobene Stellung verdeutlicht. Den östlichen Abschluss des Stadtraums Schwentine bildete bis zu ihrer Zerstörung im zweiten Weltkrieg die Baltische Mühle, deren Grundmauern, Gewölbe und Reste der Turbinen noch erhalten sind (Teilgebiet 5). Das Fehlen des Baukörpers der Mühle bedeutet nicht nur historisch, sondern auch räumlich einen großen Verlust, da dadurch der ehemals klare Abschluss des Stadtraums Schwentine zum östlich anschließenden Landschaftsraum abhanden gekommen ist. Im Zuge der Neudefinition der Räume halten wir es für unverzichtbar, diesen Abschluss an der Schwentinebrücke wieder herzustellen.
Zwischen diesem Baukörper und dem Restaurant „Alte Mühle“ wird der Bereich der ehemaligen Turbinen von Bebauung freigehalten; auf den historischen Gewölben entsteht eine Aussichtsplattform. Die vorhandenen Turbinengewölbe werden reaktiviert und teilweise von oben geöffnet. Wir schlagen vor, in zwei der alten Gewölbeabschnitte bewegliche Skulpturen einzubauen, sodass die Nutzung der Wasserkraft auch im Vorbeilaufen visuell erfahrbar wird. Der Baukörper für den wir eine Nutzung als Hotel vorsehen, der aber ohne Änderung der städtebaulichen Parameter auch eine Büronutzung aufnehmen könnte, erhält anders als der Großteil der historischen Gebäude keine Fassade aus Ziegelmauerwerk. Seine immense städtebauliche Bedeutung wird durch eine Fassade aus grünlichen Profilglaselementen mit geschosshohen schmalen Fenstern unterstrichen, die im Zusammenhang mit dem Wasser der Schwentine ein intensives Lichtspiel erwarten lässt.
Zwischen diesen beiden wichtigsten baulichen Protagonisten werden auf beiden Schwentineufern unterschiedliche Bau- und Uferformen entwickelt. So werden auf der Südseite (Teilgebiet 5) die dichte, drei- bis fünfgeschossige Bebauung am Seefischmarkt nach Osten mit einem Büro- und Gewerbebau („Schwentinehöfe“) und die Uferlinie als harte Kaikante fortgeführt. Der Kai erhält ab der Dampferanlegestelle Welingdorf eine untere Ebene mit ca. 1 m ü. NN., um die Wasserlinie für Flaneure erreichbar zu machen und eine bessere Zugänglichkeit der Liegeplätze zu gewährleisten. Der vorhandene Steg wird als Schwimmsteg erneuert und nach Westen verlängert.
In östlicher Verlängerung der um ein Staffelgeschoss aufgestockten Kompassklinik (Teilgebiet 3) sehen wir eine Kette kleinerer Büro- und Gewerbebauten vor, die auf einem gemeinsamen Sockelgeschoss stehen. Dieses nutzt den Höhenversprung zwischen der unteren, grünen Naturebene und der um ein Geschoss erhöhten Straßenebene zur Unterbringung der erforderlichen Stellplätze.
Der Bereich des jetzigen Parkplatzes des Albert-Einstein-Hauses (Teilgebiet 4) muss dauerhaft eine große Anzahl von Stellplätzen aufnehmen. Da allerdings ein reines Parkhaus an dieser Stelle städtebaulich sehr unbefriedigend wäre, sehen wir unter Ausnutzung des großen Höhenunterschieds zum Heikendorfer Weg ein hybrides Gebäude vor: Die vier Parkebenen werden terrassenförmig mit Wohnungen in Form von gestapelten Einfamilienhäusern überbaut. Diese werden ausschließlich nach Süden ausgerichtet; sie wenden dem stark befahrenen Heikendorfer Weg ihre geschlossene Rückseite zu und erhalten nach Süden ausgerichtete Dachterrassen, die genauso groß sind wie die zugehörigen Grundrisse.
Der Wanderweg verläuft wie bisher über einen Steg übers Wasser zur neuen Mensa, vor der großzügige Freitreppen bis ins Wasser führen. Dieser Bereich wäre für einen Tretbootverleih oder als Anlaufpunkt für Wassertaxis ideal.
Der Weg um die Schwentine ist damit durchgängig vom Marinearsenal bis zum Ostuferhafen; er durchläuft sehr unterschiedliche räumliche Situationen und an zahlreichen Stellen wird die Wasserkante bespielbar ausgebildet.