ZOB, Kiel

ZOB, Kiel

Bauherr Landeshauptstadt Kiel
Projektadresse Auguste-Viktoria-Straße / Kaistraße, Kiel
Wohn- / Nutzfläche 12.000 m2
Planungsbeginn  
Fertigstellung  2010
Baukosten  
Leistungsphasen  

Der neue ZOB-Bereich wird als selbstbewusstes, stadtverträgliches Ensemble konzipiert, das sich in Gliederung und Maßstab an der benachbarten Bebauung orientiert. Es bleibt in seiner Höhe deutlich unterhalb der beiden Dominanten Hotel Atlantic und Neues Rathaus. Die stadträumlich wichtigen Bezüge, wie die Sichtachse von der Hauptpost zum Bahnhofsportal, werden erhalten oder, wie die Sichtachse der Herzog-­Friedrich-Straße zum Wasser, neu herausgearbeitet. Der ZOB bildet mit einer angemessenen architektonischen Zeichenhaftigkeit ein einladendes Entrée für Kiel und wird zukünftig auch gestalterisch seiner wichtigen verkehrlichen Rolle in der Stadt gerecht.

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Die Bebauung gliedert sich in je einen Baukörper für das Konferenzzentrum und das Parkhaus. Der ZOB erstreckt sich von der Auguste-Viktoria-Straße, die sehr weitgehend in seine Nutzung eingebunden wird, bis unter beide Baukörper und wird mit einem hohen gläsernen Dach überdeckt und zusammengefasst.
Das Konferenzzentrum wird direkt neben dem Hotel Atlantic angeordnet, von diesem nur durch einen kleinen Platz mit Tiefgaragen-Zufahrt und Lieferzone getrennt. Es enthält im 1. OG einen großen und darüber zwei kleinere Säle, die über ein offenes Treppenfoyer miteinander verbunden sind. Das oberste Geschoss nimmt ein Boardinghaus auf. Alle Nutzungen sind zum Wasser orientiert und profitieren so von der einzigartigen Lage an der Innenförde. Konferenzzentrum und Boardinghaus sind über Brücken an das Hotel angebunden, besitzen aber gleichwohl eigene Eingangsfoyers im EG, die über die Kaistraße und die Tiefgarage separat erschlossen werden.
Der Baukörper des Konferenzzentrums wird mit dem gleichen hellen Ziegel verblendet wie das Hotel Atlantic. Die spielerische Anordnung seiner Fenster- und Loggiaöffnungen, die primär betrieblichen Notwendigkeiten folgt, interpretiert das Lochfassadenthema des Hotels gänzlich anders und leitet damit zur freien Fassadenstruktur des Parkhauses über.
Beide Baukörper springen an der Auguste-Viktoria-Straße gegenüber der Straßenkante deutlich zurück und öffnen so einen langgestreckten Platz, der den ZOB aufnimmt und mit dem die Straße wesentlich aufgewertet wird. Der zentrale Busbahnsteig, von dem komfortabel alle Buslinien erreicht werden, erstreckt sich von der östlichen Straßenkante bis an den Rand der Baukörper von Konferenzzentrum und Parkhaus. Dessen fußläufige Haupterschließung führt über eine Rolltreppe vom Busbahnsteig ins 1. Parkgeschoss. Der Busbahnsteig wird in neun Meter Höhe von einem flügelartigen Glasdach überspannt, das den Bereich gleichsam wie eine lichtdurchflutete Bahnhofshalle wirken lässt und das in seiner Zeichenhaftigkeit bis in den Bahnhofsvorplatz hineinwirkt.
Der Busverkehr wird an einem übersichtlichen und durch das Glasdach sehr hellen Inselbahnsteig abgewickelt. Lediglich die Abstellplätze und die Fahrgasse befinden sich unterhalb der Gebäude. Der ZOB wird von den Bussen im Uhrzeigersinn befahren, so dass durch die Zuordnung von Ankunfts- und Abfahrtpositionen ein einfacher betrieblicher Ablauf ermöglicht wird. Fernreiseverkehr sowie Kielius haben einen separaten Ankunfts-/Abfahrtsbereich mit drei Bustaschen (vgl. z.B. ZOB Hamburg), die eine beidseitige Gepäckbeladung ermöglichen. Die geforderten zwei Ankunfts- und vier Abfahrtspositionen im Regionalverkehr ermöglichen eine Belegung entsprechend den Hauptzufahrtsrichtungen Raiffeisenstraße und Stresemannplatz. Um eine möglichst einfache und ökonomische Realisierung zu gewährleisten, sind die Parkmöglichkeiten für Hotel und Konferenzzentrum von den übrigen öffentlichen und vermieteten Parkplätzen baulich getrennt. Die 145 Stellplätze für Hotel und Konferenzzentrum sind in einer Tiefgarage unter dem Gebäude untergebracht. Die insgesamt 458 öffentlichen und vermieteten Stellplätze sind in einem separaten Parkhaus untergebracht. Das Parkhaus umfasst fünf Ebenen, wobei die unteren Ebenen für die öffentlichen Stellplätze und die oberen Stellplätze für die Vermietung (u.a. Seehafen Kiel) vorgesehen sind. Die Erschließung des Parkhauses erfolgt ähnlich wie in der Ausgangssituation mit einer Wendelrampe, die Zufahrt erfolgt wie bisher über die Auguste-Viktoria-Straße.
Die Tiefgarage des Hotels wird dagegen von der Kaistraße erschlossen, um eine Querung des Fußgängerstroms vom Bahnhof zum ZOB zu vermeiden. Aus Gründen der Leistungsfähigkeit der Kaistraße erfolgt die Abfahrt aus der Tiefgarage ausschließlich in Richtung Süden, eine Zufahrtsmöglichkeit besteht aus Richtung Norden durch Rechtsabbiegen sowie aus Richtung Süden durch eine kurze Linksabbiegerspur innerhalb der bestehenden Mittelinsel.
Ein wesentliches städtebauliches Element des Entwurfs kommt insbesondere dem Fußverkehr zugute. Durch die Aufteilung der Nutzungen auf zwei Gebäude ergibt sich eine neue Fußgängerachse in Verlängerung der Herzog-Friedrich-Straße über den ZOB bis zur Kaistraße – auf dem ZOB werden die Wartepositionen zwischen den Gebäuden dafür unterbrochen. Die Auguste-Viktoria-Straße wird als wichtige Fußgängerachse von/zum Bahnhof aufgewertet.