Fachhallenhaus Holtenau

Fachhallenhaus Holtenau

Bauherr Britta Grashoff
Projektadresse  
Wohn- / Nutzfläche 300 m2, ohne Dachboden
Planungsbeginn  
Fertigstellung 2004
Baukosten 775.000 Euro
Leistungsphasen  

Das Fachhallenhaus in der Richthofenstraße 53 wurde 1589 erbaut und ist das älteste bekannte Bauernhaus in Kiel. Es handelt sich hier um ein niederdeutsches Fachhallenhaus mit großer Diele, seitlichen Luchten (Nischen) und anschließendem Kammerfach. Es gehört zum Bautyp des Bordesholmer Sackdielenhauses, das zu beiden Seiten des Dielentores Pferdeställe und dahinter Kuhställe aufweist. Am Ende der Sackdiele stand ein großer Schwibbogenherd, auf den gekocht wurde und von dem auch die dahinterliegenden die Wohnräume im Kammerfach und die Diele geheizt werden konnten.

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Das Gebäude befand sich vor dem Umbau in einem desolatem Zustand. Der neuen Eigentümerin war bewusst, dass das Ziel einer denkmalpflegerischen Erneuerung nur lauten konnte: Die Grundstruktur dieses Fachhallenhauses wieder erkennbar zu machen und eine zeitgemäße Nutzung als Privathaus zu ermöglichen. So wurde das Gebäude vollständig von allen nicht historischen Einbauten bis auf das konstruktive Skelett entkernt. 

Das räumliche Gefüge des Hauses wurde nicht verändert. Die große Diele mit dem Fleet und dem Schwippbogenherdwurde wieder zum zusammenhängenden Lebens- und Arbeitsraum. Die Individualräume (Schlaf-, Funktions- und Atelierräume) wurden in die Dimensionen der ehemaligen Stallungen und Stuben eingepasst. Der große Bergeraum unter dem Dach wurde bis auf einen Raum über dem Kammerfach nicht ausgebaut. Eine der vorhandenen Abwurfluken wurde verglast, um so die gewaltigen Dachdimensionen erlebbar zu machen. Eine moderne Gasheizung wurde in der ehemaligen Räucherkammer untergebracht. Wichtig war es für die Bauherrin, die beeindruckende Holzkonstruktion in der gesamten Haustiefe erlebbar zu machen und gleichzeitig aus den Traufseiten möglichst viel Tagesbeleuchtung in die Diele zu bringen.

Daher wurden Wandteile im Ständerwerk großflächig mit rahmenloser Verglasung versehen. Das Gebäude erhielt eine Fußbodenheizung. Als Bodenbelag wurden in allen Räumen, bis auf die Schlafräume, großformatige Betonwerksteinplatten eingebaut. Das gesamte Reetdach wurde neu eingedeckt. Das Fachwerk der Außenwände wurde in alter Form erneuert. Die zwischenzeitlich eingebauten Betonfundamente wurden abgebrochen und das Fachwerk wieder auf die noch vorhandenen Feldsteinfundamente gestellt. Der Nordgiebel blieb erhalten. Einzelne Hölzer wurden erneuert. Das Fachwerk wurde mit neuen Ziegeln ausgefacht. Als klimatischer Abschluss des Innenraums wurde hinter der Außenfassade eine Porotonziegelwand mit zusätzlicher Wärmedämmung und Luftschicht angeordnet. Alle Innenwände und Ausfachungen erhielten Lehmputz mit einem weißen Silikatanstrich. Die Fenster wurden als Holzkastenfenster in historisierender 2-flügeliger Form mit rahmenlosen Festverglasungen kombiniert.